22:10:35 01.05.2019

Chance verpasst

Rutronik Stars Keltern müssen ins fünfte Finalspiel


Keltern. Es hätte alles so schön sein können: Ein sonniger Feiertag, eine volle Halle – und dann zur Krönung der deutsche Meistertitel. Hätte! Es kam aber ganz anders.

Die Rutronik Stars haben ihren ersten Matchball in der Finalserie um den Titel der Basketballfrauen gegen den Herner TC vergeben. 41:55 (21:31) stand es nach 40 äußerst intensiv geführten Spielminuten. Herne hat in der Serie „Best of 5“ zum 2:2 ausgeglichen. Damit fällt die Titelentscheidung am kommenden Samstag, wenn sich beide Teams im fünften Spiel um 18 Uhr in der H2K-Arena in Herne gegenüberstehen. Statt den Titel feiern zu können, müssen sich die Sterne am Wochenende nun auf erneuten Reisestress einstellen.

Der Blick auf das Ergebnis zeigt schnell, wo an diesem Tag die Kelterner Problemzone war: Im Angriff. 41 Punkte sind eine Magerausbeute, die die Rutronik Stars in ihrer Bundesliga-Historie noch nie hatten. Den absoluten Tiefpunkt dabei bildete das zweite Viertel, das Keltern mit sage und schreibe 4:19 abgab. Dabei hatten die Sterne mit einer 17:12-Führung nach den ersten zehn Minuten gut begonnen. Doch von dem Schock des zweiten Viertels erholten sie sich nicht mehr. Herne konnte die Partie nach der Pause intelligent kontrollieren und den Sieg nach Hause bringen.

„Ich bin nicht enttäuscht. Wir haben heute zurecht verloren. Eine Meisterschaft muss man sich verdienen“, gab Dirk Steidl nach der Partie zu Protokoll. Nicht nur der Vereinchef vermisste nach gutem Beginn Intensität und bisweilen auch Spielintelligenz bei seinem Team. Für die verletzte Marina Markovic, die mit Krücken am Spielfeldrand saß, lag es aber nicht an der Einstellung: „Wir brannten. Wir wollten zuviel“, analysierte sie den entscheidenden zweiten Durchgang.

Der Blick auf die Statistik verrät auch, wo die Sterne an diesem Tag ihre größten Defizite hatten: Direkt unter dem Korb. „Wir müssen die verdammten Boards kontrollieren“, sagte Kelterns Trainer Christian Hergenröther mit Verweis auf die Rebounds. Und Centerspielerin Rebecca Tobin gestand kurz und knackig ein: „The Rebounds killed us“ (Die Rebounds haben uns umgebracht). 45 eroberte Bälle nach Fehlwürfen standen für Herne zu Buche, nur 31 für Keltern. Dabei hatten die Sterne in den ersten drei Begegnungen der Serie sogar häufiger den Ball gepflückt als Herne. Doch gestern spielten die Westfälinnen in der Speiterlinghalle ihre sichtbaren Größenvorteile erstmals konsequent aus.

Überschaubare Leistungen

Das lag sicherlich auch daran, dass Kelterns beste Rebounderin Kimberly Pierre-Louis nach der Pause nur noch selten auf dem Feld stand. Ihre Leistung war vor der Pause ebenso überschaubar wie die vieler Mitspielerinnen. Am Ende kam Pierre-Louis auf sechs Punkte und acht Rebounds. Aber auch Ezinne Kalu (4/3) und Emma Stach (3/4) blieben deutlich unter ihren Möglichkeiten. Halbwegs ihr Potenzial abrufen konnten an diesem Tag nur Jasmine Thomas (12/4), Kristina Rakovic (9/1) und Rebecca Tobin (7/5). Aber das war dann einfach zu wenig.

Dabei hatte die Partie mit einer 17:9-Führung für Keltern prima begonnen, die Stimmung der 400 bis 500 Zuschauer in der vollen Halle war bestens. Doch das Viertel endete mit einem Dreier von Hernes Beatrice Attura – der Treffer bildete den Auftakt für einen fulminanten Auftritt der Gäste in der restlichen Spielzeit.

Verräterische Körpersprache

Was im zweiten Viertel geschah, erklärte Christian Hergenröther schlicht und einfach so: „Wir hatten die Würfe, wir haben aber nicht mehr getroffen.“ Kristina Rakovic und Jasmine Thomas brachten die einzigen Punkte für Keltern auf die Anzeigentafel, auf der Gegenseite bejubelte Herne 19 Punkte. Heinrich Simon hatte es kommen gesehen. „Herne hatte die Körpersprache, wir nicht. Da fehlte die Intensität, da muss man durchziehen, und den Gegner zum Foul zwingen“, sagt der Gründer des Kelterner Basketballvereins.

Die zweite Halbzeit war Keltern bemüht, aber die Trefferquote wurde nicht mehr wirklich gut. Am Ende trafen die Sterne nur 26 Prozent aus dem Feld, Herne dagegen 34 Prozent. Zusammen mit den Rebounds war das am Ende der gar nicht so kleine, aber dennoch feine Unterschied.